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Alte CDs und DVDs: So retten Sie Ihre Daten rechtzeitig



Selbstgebrannte CDs und DVDs dienten jahrelang als günstiges Medium zum Speichern persönlicher Daten. Weil die optischen Medien keineswegs ewig halten, wird es Zeit, den Inhalt der Scheiben auf die Festplatte zu kopieren. Wir nennen die Tools und Tricks dazu.

Das Altern von Kunststoff kennen Sie aus dem Alltag: Nach Jahren bleichen die Gartenmöbel aus, die Griffe am Kochtopf verformen sich und manch anderes Stück wird spröde oder zerbröselt regelrecht. CDs und DVDs bestehen aus dem Kunststoff Polycarbonat und unterliegen deshalb ebenfalls dem Alterungsprozess. Für selbstgebrannte Rohlinge, die vor allem in den 90er- und 00er-Jahren wegen ihres damals gewaltigen Speichervolumens zum Sichern persönlicher Daten wie Fotos, Videos, Uni-Arbeiten und Ähnlichem verwendet wurden, gilt das sogar in besonderem Maß. Verschiedenen Studien zufolge fällt nach 20 Jahren bereits ein erheblicher Teil der Rohlinge aus.

Sony „garantierte“ damals für beschreibbare DVDs zwar eine Lebensdauer von 20 Jahren, bei CD-Rohlingen sogar von 35 Jahren, doch starre Zeitangaben ergeben wenig Sinn. Denn die Alterung und Zersetzung werden von vielen Faktoren beeinflusst, darunter von der Temperatur, dem Lichteinfluss und der Luftfeuchtigkeit. Optimal für eine lange Lebensdauer ist eine kühle und trockene Lagerung im Dunklen. Wesentliche Einflussfaktoren für die Haltbarkeit sind jedoch auch die Art und Qualität der verwendeten Rohlinge sowie Schreibfehler, die aus der seinerzeit häufig gewählten hohen Brenngeschwindigkeit resultieren – 50fach war nun einmal deutlich schneller als 1fach.

Beeinträchtigt wird das vollständige Auslesen schließlich durch Kratzer auf der Unter- und Oberseite der Scheiben, durch Aufkleber und durch das Beschreiben mit Folienstift, weil dieser die Reflexion des Abtastlasers schwächt. Probleme treten ebenfalls auf, wenn sich die gold- oder silberfarbene Reflexionsschicht ablöst.

Nach 20 Jahren ist es Zeit zu handeln – also jetzt

Hatte man seinerzeit eine CD oder DVD gebrannt, legte man sie – idealerweise im sogenannten Jewelcase oder einer Aufbewahrungstasche – in den Schrank: Da lag sie „sicher“. Doch nach zwei Jahrzehnten ist es mit der Sicherheit eben so eine Sache. Höchste Zeit also, die Inhalte noch vorhandener optischer Datenträger möglichst bald auszulesen, auf Festplatte zu speichern und sie dadurch ins persönliche Datenbackup zu integrieren.

Voraussetzung zum Auslesen ist natürlich ein optisches Laufwerk. Was selbstverständlich klingt, findet sich bei den aktuell verkauften Notebooks kaum noch. Abhilfe schafft ein externer DVD-Brenner zum Preis zwischen 20 oder 30 Euro. Wer einen alten PC oder ein altes Notebook mit Laufwerk besitzt, kann dieses ausbauen und per SATA-USB-Adapter für wenige Euro an jedem Rechner betreiben. Selbst Laufwerke mit dem älteren, 43-poligen IDE-Anschluss lassen sich per Adapter verwenden. Wir haben dazu das abgebildete Modell rechts unten (knapp 20 Euro bei Amazon) verwendet.

Alternativ kann man auch jemanden mit DVD-Laufwerk bitten, die optischen Datenträger mit

CD Burner XP
oder

Imgburn
 als ISO-Datei zu speichern und diese anschließend über die Cloud oder auf einem Datenträger zur Verfügung zu stellen. Das CD-/DVD-Abbild lässt sich über das Windows-eigene virtuelle Laufwerk oder mit

Virtual Clone Drive
 einlesen.

Bevor sich SATA auch bei optischen Laufwerken durchgesetzt hat, war dort der IDE-Anschluss Standard. Beim Anstecken durfte man keine der vielen dünnen PINs verbiegen.

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Bevor sich SATA auch bei optischen Laufwerken durchgesetzt hat, war dort der IDE-Anschluss Standard. Beim Anstecken durfte man keine der vielen dünnen PINs verbiegen.

Klappt das Auslesen nicht auf Anhieb, reinigen Sie die Scheibe mit einem Tuch und warmen Wasser. Bevor Sie sie wieder ins Laufwerk legen, muss sie wieder völlig trocken sein. Falls vorhanden, probieren Sie unbedingt auch ein anderes Laufwerk oder einen anderen Rechner. Weil sich die Fehlerkorrektureigenschaften von Brenner zu Brenner deutlich unterscheiden, kommt ein anderes Laufwerk mit den individuellen Beschädigungen und Alterungsprozessen eines bestimmten Rohlingtyps unter Umständen besser zurecht. Die „passende“ Kombination aus Scheibe und Laufwerk ist fürs Auslesen entscheidend, hier hilft wirklich nur ausprobieren!

Führt all dies nicht zum Erfolg, fahren Sie zunächst mit den im nächsten Abschnitt beschriebenen Datenrettungstools fort. Erst danach empfehlen wir, verkratzte CDs oder DVDs durch Polieren aufzubereiten: Denn dabei besteht durchaus die Gefahr, den Schaden und damit den Datenverlust noch zu vergrößern.

In den Einstellungen von Minitool Power Data Recovery lässt sich vorab festlegen, welche Arten von Dateien das Tool beim Wiederherstellen berücksichtigen soll.

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In den Einstellungen von Minitool Power Data Recovery lässt sich vorab festlegen, welche Arten von Dateien das Tool beim Wiederherstellen berücksichtigen soll.

Minitool Power Data Recovery
 stellt Daten auch von beschädigten CDs und DVDs wieder her. Nachdem Sie das Programm installiert, gestartet und das optische Medium ins Laufwerk gelegt haben, klicken Sie auf der Benutzeroberfläche auf „CD/DVD-Laufwerk“, markieren das Laufwerk und starten den Leseprozess mit „Scannen“. Je nach Größe und Inhalt der Scheibe dauert die Analyse 15 bis 30 Minuten. Anschließend lassen sich die aufgeführten Dateien komplett oder ausgewählt per Filter beziehungsweise Suche auf der Festplatte speichern – in der Gratisversion allerdings nur ein GByte. Keiner solchen Mengenbeschränkung unterliegt die englischsprachige

CD Recovery Toolbox
.

Sehr gut zur Datenwiederherstellung von CDs und DVDs eignet sich

Isobuster
, die Vollversion kostet fast 40 US-Dollar. Das Tool bricht den Lesevorgang bei Problemen nicht gleich ab und verfügt über spezielle Extraktionsmethoden.

So geht’s:

Nach Setup und Programmstart klicken Sie bei der Frage nach dem Registrierungsschlüssel auf „Später erinnern“. Auf der Benutzeroberfläche wählen Sie oben das optische Laufwerk, warten die Datenerfassung ab, klicken links in der verzeichnisbaumähnlichen Struktur mit der rechten Maustaste auf die Ebene unterhalb der „Spur“ und fahren im Kontextmenü mit „Prüfen, ob alle Dateien physikalisch lesbar sind“ fort. Erscheint nach dem Check die Meldung „Es gibt keine Dateien mit physikalischen Lesefehlern“, speichern Sie die Inhalte nach dem erneuten Anklicken mit der rechten Maustaste auf die genannte Ebene und das hervorgehobene „Extrahieren von … –› Fortfahren“ direkt auf dem PC.

Wie Sie im Detail weiter vorgehen, hängt von der Art des Mediums und der Daten ab: Isobuster stellt im Kontextmenü jeweils unter- schiedliche Funktionen zum Extrahieren und Retten der Inhalte zur Verfügung, darunter die Option, die Rohdaten zu extrahieren. Alle Details beschreibt der Hersteller unter

www.isobuster.com/de/help/extraktionsverfahren
.

Im ersten Schritt wählen Sie in IsoBuster die Option „Prüfen, ob alle Dateien physikalisch lesbar sind“ (Mitte), abhängig vom Resultat fahren Sie mit „Extrahieren von …“ fort (oben).

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Im ersten Schritt wählen Sie in IsoBuster die Option „Prüfen, ob alle Dateien physikalisch lesbar sind“ (Mitte), abhängig vom Resultat fahren Sie mit „Extrahieren von …“ fort (oben).

Verkratzte Medien aufpolieren oder ins Profilabor einschicken

Zeigen die bisherigen Bemühungen und Tools keinen Erfolg, überlegen Sie sich, ob Sie einen professionellen Service mit der Datenrettung beauftragen oder ob Sie sich ans Aufpolieren der Scheibe machen. Das kann zum Erfolg führen, doch je nach Art und Ausmaß der Schäden können sich die Probleme dabei auch vergrößern.

Generelle Aussagen zu den Kosten für die Wiederherstellung im Labor lassen sich nicht machen, zu unterschiedlich ist die Gebührenstruktur von kostenloser Analyse über Pauschalen bis zum Versprechen, nur bei Erfolg zahlen zu müssen. Wenn Sie einen Service in Ihrer Stadt oder Nähe wählen, kann das persönliche Vorbeibringen der Datenträger Zeit und Kosten sparen.

Bei verschmutzten oder verkratzten optischen Medien versuchen Sie zunächst, die Unterseite vorsichtig mit einem weichen, nicht fusselnden Tuch zu reinigen. Ein Reinigungsset mit spezieller Polierpaste für ein paar Euro oder das Verreiben mit etwas Zahnpasta sind weitere Versuche wert. Die Redaktion der TV-Sendung Galileo zeigt

in einem Video
, wie eine mit Spülmittel eingeriebene und ins Gefrierfach gelegte CD/DVD anschließend wieder funktioniert. Wichtig ist, dass die Scheibe vor dem Einlegen ins PC-Laufwerk wieder sauber und trocken ist.

Für alle Selbstversuche übernehmen wir keine Haftung!

Datenvorsorge ist besser als nachträgliches Reparieren

Dvdisaster erstellt kein 1:1-Abbild der zu sichernden Daten, sondern eine platzsparende Fehlerkorrekturdatei, die beschädigte CDs/DVDs repariert.

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Dvdisaster erstellt kein 1:1-Abbild der zu sichernden Daten, sondern eine platzsparende Fehlerkorrekturdatei, die beschädigte CDs/DVDs repariert.

Sinn und Nutzen eines Daten-Backups sollen hier nicht erneut betont werden.

Aomei Backupper
 sichert den Inhalt aller Typen von Datenträgern,

CD Burner XP
 und

Imgburn
 den optischer Medien. Von diesen erstellt das Tool eine virtuelle CD beziehungsweise DVD. Der Nachteil solcher Backups ist, dass sie gleich viel Platz beanspruchen wie die Originaldaten.

Dvdisaster
 sorgt mit einem Kompromiss vor: Das Tool erstellt kein 1:1-Abbild der Originaldaten, sondern nur eine Datei mit Fehlerkorrekturdaten. Zusammen mit dem beschädigten Original in Form der verkratzten CD/DVD lassen sich daraus später sämtliche Inhalte rekonstruieren. Die Fehlerkorrekturdaten belegen nur etwa 15 Prozent des Originalvolumens.

So geht’s:

Installieren und starten Sie Dvdisaster, legen Sie das optische Medium ins Laufwerk und klicken Sie auf „Erzeugen“, um zunächst ein komplettes ISO-Abbild des Datenträgers abzuspeichern. Ist dies erfolgt, klicken Sie für die Fehlerkorrekturdatei auf „Er- zeugen“, die Sie danach passend zur Original-CD/-DVD umbenennen und an sicherer Stelle auf der Festplatte aufbewahren. Bereitet das optische Medium eines Tages Leseprobleme, lassen Sie es im Laufwerk, starten Dvdisaster, wählen oben die gespeicherte Korrekturdatei im ECC-Format und betätigen die Schaltfläche „Lesen“. Das Programm fügt daraufhin die Inhalte von CD/DVD und EEC-Datei zusammen. Über die Schaltfläche „Reparieren“ erstellen Sie ein neues, fehlerfreies ISO-Abbild, aus dem Sie dann eine CD oder eine DVD brennen können.

Lesetipp: 

Perfekt Dateien & Ordner organisieren – so klappt’s

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