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Beta-Software einfach ausprobieren – so geht’s







Welcher PC-Nutzer ist nicht neugierig und gespannt, was Windows 11 Neues bietet! Das Betriebssystem von Microsoft ist nur ein Beispiel von vielen, wenn man Vorabversionen schon lange vor dem Erscheinen installieren und ihre neuen Funktionen kennenlernen möchte.

Dass Software vor ihrem Erscheinen ausgiebig getestet wird, versteht sich eigentlich von selbst. Das Testen neuer Versionen und Funktionen inklusive Qualitätssicherung war schon immer geradezu integrativer Bestandteil der Softwareentwicklung, schließlich sollen die Programme später möglichst fehlerfrei laufen. Die meisten Anbieter erledigen dies bereits seit Längerem nicht nur intern, sondern beteiligen daran auch externe Entwickler, „Nerds“ und andere Interessierte. So bekommen sie zusätzlich fachliche Rückmeldung.

Seit einigen Jahren verändert sich der Prozess, der Kreis der Beteiligten hat sich ganz erheblich erweitert: Häufig können alle mitmachen. Ein Beispiel ist das

Windows Insider Programm
, das Microsoft 2014 vor dem Start von Windows 10 ein Jahr später ins Leben rief. Anders als zuvor konnte und kann nun jeder nach einer kostenlosen Registrierung die Vorab-Builds von Windows ausprobieren. Für die Softwarehersteller bietet dies die Möglichkeit, ihre Produkte auf ungleich mehr Hardware und in den unterschiedlichsten Umgebungen testen zu lassen. Als „Tester“ solcher Programme haben Sie so die neuen Funktionen früher, stillen Ihre Neugierde oder können sogar erstmals in ganz neue Dienste reinschnuppern. Also nichts wie los.

Softwareentwicklung ist weit mehr als nur die Beta-Phase

Jeder Hersteller gestaltet sein Beta-Programm, die Teilnahmebedingungen sowie Inhalte individuelle. Adobe beispielsweise dokumentiert alles online ausführlich und klar.

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Jeder Hersteller gestaltet sein Beta-Programm, die Teilnahmebedingungen sowie Inhalte individuelle. Adobe beispielsweise dokumentiert alles online ausführlich und klar.

Häufig wird als „Beta“ bezeichnet, was nicht so funktioniert, bei wie es soll. In der Entwicklung von Software stellen Beta-Versionen jedoch nur eine von mehreren Phasen dar. So spricht man anfangs von Alpha oder gar Pre-Alpha, danach folgt häufig eine geschlossene und erst anschließend die offene oder eigentliche Beta-Phase. Die ersten Tests und Rückmeldungen sind also ausgewählten, besonders versierten Testern vorbehalten, erst später erhalten alle Interessierten die Möglichkeit zum Ausprobieren.

Dieses zweistufige Verfahren hat Vorteile für beiden Seiten: Die Anbieter werden nicht öffentlich für Fehler und Probleme ihrer per definitionem unfertigen Programme gescholten. Als Normalanwender erhält man so vergleichsweise stabil laufende Produkte, wirklich gravierende Probleme sind eher selten. Das bestätigt die langjährige Teilnahme am Windows-Insider- und ähnlichen Programmen.

Die offene Testphase erstreckt sich vielfach über mehrere Monate, in denen meist mehrere Beta-Versionen erscheinen: Beta 1, Beta 2 und so weiter. Irgendwann und oft schleichend geht das Beta-Stadium dann in die finale Phase über. Der sogenannte „Release Candidate“ (RC) könnte – wenngleich noch nicht offiziell freigegeben – eigentlich schon veröffentlicht werden. Das erfolgt jedoch erst durch die RTM-Version (Release to Manufacturing), auch als „Golden Master“ bezeichnet. Nicht immer wird dabei von Unternehmenseite klar kommuniziert, in welchem Stadium sich die Entwicklung gerade befindet und wann die RC- und RTM-Versionen da sind.

Beta-Programme von Windows, Office, Android & Co.

Bei vielen Programmen lassen sich Vorab- und reguläre Version parallel nutzen – bei der Bildbearbeitung Gimp allerdings muss man tricksen, damit beide gleichzeitig laufen.

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Bei vielen Programmen lassen sich Vorab- und reguläre Version parallel nutzen – bei der Bildbearbeitung Gimp allerdings muss man tricksen, damit beide gleichzeitig laufen.

Hier fassen wir alle Entwicklungsphasen zusammen und sprechen vereinfachend von Beta. Davon weichen wir nur ab, wenn dies zur Ausdifferenzierung erforderlich ist. So kann man beim bereits genannten Windows Insider Programm zwischen drei verschiedenen Entwicklungsstufen („Kanälen“) wählen, von denen nur eine explizit Beta heißt.

Im Folgenden gehen wir auf einige wichtige und verbreitete Software, Dienste und Geräte näher ein. Dazu zählen neben Windows als Betriebssystem für den PC Android und iOS für Smartphones, die Vorabversionen von Microsoft Office, die Firmware der verbreiteten Fritzbox-Router und die Webbrowser. Bei den Surfprogrammen ist das Innovationstempo nämlich besonders hoch, neue Versionen gibt es immer schon nach wenigen Wochen – im Frühjahr wartet

Google Chrome
mit der dreistelligen Versionsnummer 100 auf. Dazu kommen als beliebte Freeware Mozilla Thunderbird, VLC Player, Gimp und Libre Office.

Die langjährige Erfahrung zeigt, dass man die Vorabversionen dieser Programme guten Gewissens nutzen kann. Zwar hakt es immer mal wieder hier und da, doch solche Probleme beschränken praktisch immer auf einzelne Teile oder Funktionen, das Gesamtsystem ist selten betroffen oder beeinträchtigt. Aus technischer Sicht spricht deshalb zunächst wenig dagegen, die Software sogar auf einem produktiv genutzten PC auszuprobieren. Anders sieht es beim Datenschutz sowie teilweise bei der Lizensierung aus. Weil längst nicht alle Nutzer der Vorabversionen aktiv ihr Feedback übermitteln, räumt man den Herstellern in vielen Beta-Lizenzbedingungen weitreichende Rechte für die automatische Datenanalyse und -übermittlung ein. Mehr dazu lesen Sie am Schluss dieses Ratgebers.

Microsoft verteilt die Windows-Vorabversionen im Insider-Programm über drei Kanäle. Ein Klick jeweils auf „Neuester Build im …“ verrät, welche Windows-Version wo zur Verfügung steht.

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Microsoft verteilt die Windows-Vorabversionen im Insider-Programm über drei Kanäle. Ein Klick jeweils auf „Neuester Build im …“ verrät, welche Windows-Version wo zur Verfügung steht.

Sofern Sie die darin genannten Aspekte beachten, möchten wir Sie ausdrücklich zum Ausprobieren ermuntern: Die meisten Beta-Versionen laufen in der Regel stabil und ohne Probleme.

Betriebssysteme als Beta-Version installieren und nutzen

Über das Windows Insider Programm stellt Microsoft ständig neue Vorabversionen seines Betriebssystems zur Verfügung. Das betrifft nicht nur wie jüngst Windows 11, sondern galt und gilt auch für neue Funktionen und die ein bis zwei jährlichen Funktionsupdates von Windows 10.

Die Teilnahme ist einfach:

Nach einer kostenlosen Registrierung
 haben Sie im Wesentlichen zwei Möglichkeiten. Zum einen können Sie ein laufendendes System mit Windows 10 oder 11 auf die Insider-Versionen umstellen. Diesen Prozess starten Sie im Windows Update über „Windows-Insider-Programm –› Erste Schritte –› Konto verknüpfen –› Microsoft-Konto“ und folgen weiter dem Assistenten. Die Variante empfiehlt sich aber wirklich nur für einen separaten PC, weil man mit der Insider-Teilnahme einer umfassenden „Gesamtüberwachung“ zustimmt.

Screenshot kurz vor Veröffentlichung von Android 12 im vergangenen Oktober. Die letzte Beta- Version lief da längst mit allen neuen Funktionen stabil und problemlos.

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Screenshot kurz vor Veröffentlichung von Android 12 im vergangenen Oktober. Die letzte Beta- Version lief da längst mit allen neuen Funktionen stabil und problemlos.

Alternativ laden Sie über

die Insider-Downloadseite
 eine ISO-Datei herunter und erzeugen daraus eine DVD oder mit

Rufus
 einen USB-Stick zum Installieren. Parallel installiert, auf einer virtuellen Festplatte oder in einem virtuellen PC können Sie das Vorabsystem unabhängig und damit ohne Datenschutzbedenken ausprobieren. Die Möglichkeiten im Detail

beschreiben wir online
.

Wichtig zu unterscheiden sind in Microsofts Beta-Programm die drei Kanäle: Über den Entwicklerkanal („Dev Channel“) erhalten Sie jeweils und zugleich häufig die neuesten Insider Builds. Im Betakanal ist die Updatefrequenz geringer, die Vorabversionen sind also besser getestet und damit zuverlässiger. Der Release-Vorschau-Kanal schließlich gibt fertige neue Versionen einfach etwas früher frei als über das gewöhnliche Windows Update. Zu beachten ist, dass je nach Zeitpunkt und Entwicklungsfortschritt in den Kanälen ganz unterschiedliche Systeme angeboten werden. So stand Windows 11 zwei Wochen vor dem Start Anfang Oktober nur im Betakanal. Im Entwicklerkanal ging es bereits um das nächste, also erste große Update. Und die Releasevorschau betraf das Herbstupdate von Windows 10 (Version 21H2.) Achten Sie deshalb bei der Kanalwahl genau auf die Versionsnummern und -bezeichnungen.

Auch die Hersteller der beiden wichtigen Smartphone-Betriebssysteme stellen Beta-Versionen bereit. Google startet „Developer Previews“ der nächsten Android-Version jeweils schon früh im Jahr. Im Frühjahr folgt dann die erst Beta-Version, die sich „over the air“ wie ein gewöhnliches Update installieren lässt, bevor dann im Herbst die finale Version fertig ist. Für die Teilnahme müssen Sie sich registrieren und eines der wenigen geeigneten Smartphone-Modelle besitzen. Registrierung und alle Infos finden Sie

online bei Google
. Das Analogon zu den Beta-Programmen von iOS und macOS finden Sie bei Apple unter

https://beta.apple.com/sp/de/betaprogram
. Die erste iOS-Beta gibt es traditionell jeweils im Juni, bevor das fertige Mobilbetriebssystem dann im September erscheint.

Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Vorabversionen auch zu Chrome OS für Chromebooks und diversen Linux-Distributionen wie Mint und Ubuntu erhältlich sind.

Vorabversionen einzelner Software ausprobieren und testen

Wie hier bei Microsoft Edge erscheinen Vorabversionen oft unterschiedlich häufig in zwei oder mehr Kanälen. Die Bezeichnungen differieren dabei von Anbieter zu Anbieter.

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Wie hier bei Microsoft Edge erscheinen Vorabversionen oft unterschiedlich häufig in zwei oder mehr Kanälen. Die Bezeichnungen differieren dabei von Anbieter zu Anbieter.

Beta-Versionen einzelner Programme sind deutlich weniger kritisch hinsichtlich Datenschutz als dies beim Betriebssystem der Fall ist. Denn selbst wenn Sie in den Lizenzbedingungen der Übermittlung „aller“ Daten zustimmen, können Sie das Ausmaß steuern, indem Sie die Software ohne kritische Inhalte ausprobieren.

Als

Office-Insider
 erhalten Sie von Microsoft Vorabversionen für Word, Excel & Co. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Lizenz der Aboversion Microsoft 365, und zwar in einer Variante für Heimanwender. Die Business-, Education- und Kaufversionen 2016, 2019 oder 2021 berechtigen nicht zur Insider-Nutzung.

Kontrollieren Sie Ihre Variante, indem Sie in einer beliebigen Office-Anwendung eine Datei öffnen und auf „Datei –› Konto“ klicken. Steht dort unter Abonnementprodukt „Microsoft 365“, haben Sie Zugriff und können über den Button „Office-Insider –› An Office Insider teil- nehmen“ dem Einrichtungsassistenten folgen. Microsoft bietet hier zwei Kanäle an: Der Beta-Kanal liefert jede neue Entwicklungsstufe aus, die Stufe „Aktueller Kanal“ in größeren Abständen nur stabilere Updates.

Vorabversionen bekommen Sie auch von der Bürosoftware

Libre Office
, von

Thunderbird
, von der Bildbearbeitung

Gimp
 und vom

VLC Media Player
. Alle genannten Programme und Browser lassen sich mit Ausnahme von Firefox, Gimp und Thunderbird parallel zur normalen Variante auch als Vorabversionen installieren. Für Libre Office beachten Sie dazu die Hinweise unter

https://wiki.documentfoundation.org/Installing_in_parallel/de
.

Beta-Programm verlassen: Was passiert mit den Daten?

Insider-berechtigt sind nur solche Heimanwender, die Office im Abo „Microsoft 365“ beziehen. Nutzer der Kauf-, Business- und Education-Lizenzen bleiben außen vor.

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Insider-berechtigt sind nur solche Heimanwender, die Office im Abo „Microsoft 365“ beziehen. Nutzer der Kauf-, Business- und Education-Lizenzen bleiben außen vor.

Die Beta-Programme können Sie auf die gleiche Weise und im Prinzip genauso einfach wieder verlassen, wie Sie beigetreten sind. Bevor Sie das tun, vergewissern Sie sich insbesondere bei den Betriebssystemen, was mit den Daten, Programmen und Apps passiert. Wenn Sie unserem Rat folgen und die

Windows Insider Builds
 nicht zum Upgrade eines produktiv eingesetzten PCs verwenden, entfällt das Problem ohnehin. Auch bei iOS behalten Sie Ihre Daten,

dazu bietet Apple gleich mehrere Optionen
.

Bei Android raten wir, alle wichtigen Daten in der Cloud zu sichern und nach dem Installieren der regulären Version wieder einzuspielen – ansonsten sind Ihre Nutzerdaten weg. Bei den Fritzbox-Routern lässt sich die Labor-Software auf die reguläre Version nur dann ohne Datenverlust zurücksetzen, wenn Sie zuvor eine Sicherungsdatei erstellt haben. Wichtig ist schließlich, ob und gegebenenfalls wie die Vorabbetriebssysteme sich zur regulären Version überführen lassen, sobald diese zur Verfügung steht. Möglich ist das bei iOS, FritzOS und Android.

Nicht alle Funktionen schaffen es später in die regulären Versionen, das zeigt auch das Beispiel „Windows Sets“. Damit wollte Microsoft thematisch zusammengehörende Inhalte unterschiedlicher Dateiarten übersichtlich zu Tabs gruppieren, also beispielsweise Bilder, Texte und Folien eines Projekts. Realisiert wurden die Windows Sets nie, nutzen lässt sich die Funktion jedoch mit

Groupy
 oder

Tidy Tabs
. Die uneingeschränkten Versionen kosten gut fünf Euro (Groupy) beziehungsweise 18 Euro (Tidy Tabs).

Lizenz und Datenschutz: Das ist zu beachten

Microsoft hat die lange geplante Gruppierungsfunktion „Windows Sets“ nie zu Ende entwickelt, die Programme Groupy oder Tidytabs (im Bild) leisten das Gleiche.

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Microsoft hat die lange geplante Gruppierungsfunktion „Windows Sets“ nie zu Ende entwickelt, die Programme Groupy oder Tidytabs (im Bild) leisten das Gleiche.

In aller Regel lassen sich Vorabversionen ohne Lizenz installieren und nutzen, und das gilt auch für die Insider-Builds von Windows. Als kostenlosen Ersatz sollte man sie auf einem produktiv genutzten PC jedoch nicht verwenden. Denn neben möglichen technischen Problemen wie Abstürzen, Sicherheitsrisiken und Datenverlust spricht auch der Datenschutz dagegen. Wie bei Beta-Programmen üblich stimmen Sie als Nutzer auch in diesem Fall einer weitreichenden Übermittlung zum Teil persönlicher Daten zu. Vorabversionen von Windows sollten deshalb nur auf einem separaten PC oder abgeschottet vom übrigen System als virtueller PC oder im Parallelbetrieb installiert werden.

Weniger problematisch stellt sich die Situation bei Einzelprogrammen dar, beispielsweise, wenn Sie die zukünftige Version einer Bildbearbeitungssoftware ausprobieren. Doch auch hier gilt, einen genauen Blick in die jeweiligen Nutzungsbedingungen zu werfen.

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