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James Bond Keine Zeit zu Sterben: Warum gibt es nicht mehr 007-Games?







Daniel Craig als cooler, charismatischer Gentleman-Agent, krachende Action, dramatische Storylines, Aston Martin DB5 sowie Valhalla und immer wieder muss die Welt gerettet werden: James Bond schreit förmlich nach mehr Games und James Bond: Blood Stone mit Craig und Joss Stone in den Hauptrollen war ziemlich großartig. Warum gibt es dann kein Spiel rund um James Bond: Keine Zeit zu Sterben?

Eine schwarze Silhouette schält sich aus einem Meer von lilafarbenen Wolken. Eine Lady taucht auf, legt die Waffe an, Bond ist schneller, feuert, trifft und ihr Körper zerspringt in tausend Edelsteine. Das Logo erscheint – James Bond: Blood Stone, stilecht mit Walther P99 im Schriftzug. Edelsteine schlagen Wellen, bilden eine Art Achterbahn, über die ein Aston Martin DBS Vanquish rast. Neben dem Männertraum schlagen Edelsteine wie Bomben ein, der Wagen driftet, Helis rauschen heran, feuern Raketen auf einen gigantischen Diamanten – es ist eine Explosion der Farben. Stilecht, perfekt arrangiert und mit einem Titelsong, der sofort ins Ohr geht: „I’ll take it all“, gesungen von Soul-Diva Joss Stone. Richtig kraftvoll gesungen, „und vollkommen neu für mich, ich bin ja sonst eher der gechillte, soulige Typ, das Rauchige, Kraftvolle ist für mich eine Premiere“, erzählte uns damals Joss Stone, als wir sie und Daniel Craig zur Weltpremiere von dieser neuen Mega-Marke von Activision in London getroffen haben. 

Das war 2010, Daniel Craig hatte gerade einen gigantischen Erfolg mit Casino Royale gefeiert –  600 Millionen US-Dollar Box-Office, von Kritikern gefeiert als eine komplett neue Bond-Generation. Denn Craig ist ein ganz anderer 007 als wir ihn zuvor kannten: kein Frauenheld, wie Sean Connery oder Pierce Brosnan, die gefühlt alle 20 Minuten ein neues Betthäschen brauchten. Ein harter Typ, der direkt in seinem ersten Film fast einen Herzstillstand erleidet. Geprägt von der Ära um Jason Bourne und Jack Bauer, spielt Daniel Craig Bond auf eine viel authentischere Art als seine Kollegen zuvor: Kaum Gadgets und ein Leben an der Schmerzgrenze. Nach einem kurzen Kampf im Treppenaufgang des Hotels in Casino Royale, hat er Schnittwunden am ganzen Körper und blutet so stark, wie ein Mensch nun mal bluten würde, wenn ihm eine Axt Bauch und Arme aufschlitzt. Die Ära rund um Sean Connery und Roger Moore war geprägt von einem Agenten-Leben im Luxus ohne Kreditkartenlimit, immer mit ein bis vier schönen Frauen im Arm und Bonds, die es problemlos mit einer halben Armee aufnehmen konnten. 

Daniel Craig war der richtige Mann für eine radikal andere Bond-Ära: Inspiriert von Jason Bourne und Jack Bauer, ist er kein Gentleman-Agent mehr, sondern ein Killer, der mit seinem Leben hadert.

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Daniel Craig war der richtige Mann für eine radikal andere Bond-Ära: Inspiriert von Jason Bourne und Jack Bauer, ist er kein Gentleman-Agent mehr, sondern ein Killer, der mit seinem Leben hadert.

© MGM und Universal Pictures

50 russische Soldaten? Kein Problem, für einen 007. James Bond sollte Ausdruck der westlichen Überlegenheit gegenüber Russland sein, schließlich wurden diese Filme im Kalten Krieg gedreht. Wohl auch deshalb hatte Bond damals nie mehr als einen Cut an der Lippe. Mit Pierce Brosnan änderte sich dann erstmals der Ton. Der hatte zwar auch sehr viele Affären und war ein Mann, der wusste, wie man lebt, aber insbesondere Stirb an einem anderen Tag zeigte eine härtere Gangrichtung für die 007-Reihe: Im Intro wird Bond brutal gefoltert in Nordkorea, seine Regierung könnte ihn problemlos rausholen mit einer Eliteeinheit, doch der britischen Regierung ist ihr Top-Spion wohl doch keine militärische Konfrontation wert. Bond ist hier plötzlich kein Super-Agent mehr, nur ein Soldat, der entbehrlich ist. Mal ganz ehrlich: Was für großartige Geschichten könnte man hier erzählen, wie viel spannende Gameplay-Mechanismen könnten sich hier entfalten? Bonds Flucht aus nordkoreanischer Haft? Splinter Cell meets Hitman. Oder wie er vorher mit einem Panzer eine komplette Basis in die Luft jagt, könnte so inszeniert werden wie ein Call of Duty. Ja, im Ansatz gab es das in 007: Nightfire – dem bis heute wohl besten 007-Spiels. 

Mit Vesper Lynd an seiner Seite könnte man James Bond auch ganz anders in einem Spiel inszenieren: Sie kann zwar nicht kämpfen, aber ist smart und weiß, wie man mit Worten, statt Kugeln ans Ziel kommt. Könnte eine interessante Spielmechanik sein.

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Mit Vesper Lynd an seiner Seite könnte man James Bond auch ganz anders in einem Spiel inszenieren: Sie kann zwar nicht kämpfen, aber ist smart und weiß, wie man mit Worten, statt Kugeln ans Ziel kommt. Könnte eine interessante Spielmechanik sein.

© MGM und Universal Pictures

Doch gäbe es noch viel mehr fantastische Sets, die sich regelrecht aufdrängen für ein Videospiel: den Eispalast auf Island von Gustav Graves. Die Oper in Ein Quantum Trost. Die enorm stimmungsvolle Wolkenkratzer-Szene in Singapur. Halle Berry als heißes Bondgirl, die aber als CIA-Agentin Giacinta „Jinx“ Johnson auch genauso gut schießen wie treten und boxen kann. Uns würden spontan dutzende Szenen aus den Brosnan-Filmen einfallen, die sich regelrecht aufzwängen für Videogames. In der Tat hat 007 Legends den Versuch unternommen, mehrere Bond-Filme zu vereinen, scheiterte aber an der Unerfahrenheit seines Entwicklers. Ein solches Spiel müsste Infinity Ward machen oder ein anderes großes Shooter-Studio. Für Eurocom war das drei Nummern zu hoch, die hatten zuvor ausschließlich Lizenzkleinigkeiten wie Ice Age 2 und Vancouver 2010 gemacht, bei Quantum of Solace war man lediglich für die PS2-Portierung zuständig. 

James Bond: Blood Stone war ein gutes Bond-Abenteuer, aber nur ein mittelmäßiges Spiel 

Zwei Bond-Spiele gab es mit Daniel Craig in der Hauptrolle: Quantum of Solace (2008) und Blood Stone (2010). Gerade Blood Stone macht heute deutlich mehr Spaß – damals ruckelte es ob der Effektgewalt, heute lässt es sich problemlos in 4K spielen.

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Zwei Bond-Spiele gab es mit Daniel Craig in der Hauptrolle: Quantum of Solace (2008) und Blood Stone (2010). Gerade Blood Stone macht heute deutlich mehr Spaß – damals ruckelte es ob der Effektgewalt, heute lässt es sich problemlos in 4K spielen.

Wer

James Bond: Blood Stone

gespielt hat, der wird sich an ein zwar stark inszeniertes Bond-Abenteuer erinnern, was spielerisch aber noch etwas Feinschliff gebraucht hätte. Einige Ideen waren spannend, etwa, dass wir auf einer Yacht uns an schwer bewaffnete Security heranschleichen und im Splinter-Cell-Stil diese im Nahkampf ausknocken müssen, um Fokus-Punkte aufzuladen. Sind diese voll, tippen wir drei Gegner an und Bond verpasst ihnen Kopfschüsse, als wäre er John Wick. Leider lässt diese Qualität zum Ende hin nach, wo Blood Stone etwas zu sehr zur Schießbude verkommt. Aber hey, da ist so viel Platz nach oben, man hätte dem Team Bizarre Creations einfach (Gotham Racing, Blur) einfach noch eine Chance geben müssen. Gerade die Racing-Passagen hätte das Team sicherlich besser hinbekommen, mit weniger Explosionen. 

Vieles hier war stimmig: Die Geschichte stammt aus der Feder von Bruce Feirstein, der bereits die Drehbücher zu Goldeneye, Der Morgen stirbt nie und Die Welt ist nicht genug geschrieben hat und entsprechend ist die Story nur so gespickt mit High-Speed-Action: die Verfolgungsjagd mit Highspeed-Booten im Hafen von Athen etwa, die fühlt sich so knackig an wie das Intro in Die Welt ist nicht genug, wo Pierce Brosnan von Q einen Prototypen eines Bootes mopst, dem noch die Scheiben fällen. Natürlich im teuren Brioni-Anzug und mit der Omega Seamaster am Handgelenk, so wie das ein 00-Agent eben macht. Und so über die Themse rast, eine Attentäterin verfolgend, die gerade den Chef des MI6 ermordet hat. Brosnan war der perfekte Bond, ein Mann, der nach jedem Kampf (oder auch gerne mal unter Wasser) seine Krawatte richtete, schließlich ist er ein britischer Gentleman. So auch im Spiel, nur eben mit Daniel Craig – also etwas weniger Gentleman, etwas weniger Stil, mehr rohe Muskelkraft. Aber nicht weniger Action. Wie viele Szenen gibt es in den Craig-Bonds, die sich für ein Videospiel eignen würden? Unzählige. Die Fahrt im Zug zum Casino Royale in Montenegro, das Casino Royale, die Oper in A Quantum of Solace, was in der unglücklichen Übersetzung Ein Quantum Trost endete.

James Bond: Blood Stone hatte seine schwächsten Momente in den Fahrsequenzen, weil in diesen viel in die Luft ging. Die alte Xbox 360 oder auch damalige PCs konnten das noch nicht in dieser Pracht rendern. Mit der heutigen Konsolengeneration und den heutigen PCs könnte Activision ein Feuerwerk abfackeln, wie in Call of Duty. Auch die Craig-Ära hat einige großartige Verfolgungsjagden – unvergessen etwa die Intro-Sequenz von Ein Quantum Trost, die gefühlt im Spiel noch besser funktionieren könnte als im Film, weil im Film die Szene nur so an uns vorbeifliegt. Hier könnte man mit Gameplay-Elementen arbeiten, wie wir sie aus GTA kennen. Oder Mafia. Also wirklich fett inszeniert, aber mit der Möglichkeit, aus dem Auto zurückzuschießen. Noch viel cooler wären natürlich Spiele in der Pre-Craig-Ära, da wo ein Aston Martin noch ein richtiges Bond-Auto war, also mit Mini-Raketenwerfern, Sägeblättern an den Seiten, Nebelwerfer, Mini-Gun, was man eben so braucht. Wobei, in seinem letzten Film Keine Zeit zu Sterben darf auch Daniel Craig nochmal rein in ein echtes Bond-Car – einen gepanzerten DB5, elektrisch gesichert und mit ausfahrender Mini-Gun aus den Frontscheinwerfern. Gebt uns so eine Verfolgungsjagd im Spiel, gerne in Rom, am Steuer des Aston Martin D10, natürlich mit der Grafik eines Forza Motorsport 8. Die Glacier-Engine von Hitman 3 konnte schon einiges…

Bond-Games dürfen gerne im Setting der Filme spielen und von Hitman lernen 

Die größte Schwäche der beiden Spiele mit Daniel Craig war ihre Monotonie. Jetzt übernimmt IO Interactive das Ruder, die Macher von Hitman. Die Könige des Stealth.

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Die größte Schwäche der beiden Spiele mit Daniel Craig war ihre Monotonie. Jetzt übernimmt IO Interactive das Ruder, die Macher von Hitman. Die Könige des Stealth.

Bei Spielen zu Filmen gibt’s eigentlich nur eine wirklich wichtige Regel: Entferne dich nie zu sehr vom Original. Es gibt viele Der-Herr-der-Ringe-Spiele, die versucht haben, neue Charaktere zu etablieren und damit krachend gescheitert sind. Und Square Enix und Marvel machten sogar mit The Avengers den größten Fehler überhaupt – sie unterwarfen die wohl größten Helden des aktuellen Kino-Universums Redesigns, die nur bedingt funktionierten: Tony Stark ist Robert Downey Jr, niemand anderer. Und dann sahen die Helden auch noch ganz anders aus als gewohnt. Keine gute Idee, wusste schon James Bond: Blood Stone, wo jede Figur ihrem Original wie aus dem Gesicht geschnitten aussieht – dank 3D-Scan wanderte etwa Daniel Craig originalgetreu ins Spiel, so wie M. Judi Dench sprach auch ihre Rolle. Insofern wäre es bei neuen Bond-Spielen wünschenswert, dass zum einen der Cast sich selbst spricht. 

Und bitte die Original-Settings benutzt werden: Das Casino Royale und das Luxushotel Splendide würden sich wundervoll anbieten für Hitman-artiges Gameplay im Stil eines

Hitman 3
, wo wir auch in Dubai unser Unwesen treiben. Generell wäre es schön, wenn die Macher bei einem nächsten Bond-Spiel die Original-Settings benutzen, aber mit offenerem Gameplay. James Bond ist smart, er muss sich nicht überall durchschießen, schließlich kommt man mit einem Designeranzug und passender Uhr überall rein, man muss es nur richtig anstellen. Hier könnte man sogar das Social-Engineering eines Deus Ex: Human Mankind einbauen, schließlich war Bond immer schon gut darin, Menschen zu manipulieren; das ist schließlich sein Job als Geheimagent ist. Oder er überlässt das seiner weiblichen Begleitung – Eva Green wäre smart genug, um auch ohne Blutvergießen ans Ziel zu kommen. Ein Film braucht hier Action, er braucht die großen Emotionen, die brutale Kampfszene im Treppenhaus des Hotels führt James und Eva erst zusammen. Im Spiel könnten wir hier unsere eigenen Wege suchen. Wie gut, dass in der Tat IO Interactive an einem neuen James-Bond-Spiel arbeitet. Die Macher von Hitman, die Könige des Stealth…

James Bond hat eine große Zukunft vor sich: Da Amazon MGM gekauft hat, werden den Machern in Zukunft grenzenlose Budgets zur Verfügung stehen – Filme, Serien, Spiele. Man wird sicherlich den Marvel-Weg wählen und in Zukunft deutlich mehr Spin-Offs produzieren.

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James Bond hat eine große Zukunft vor sich: Da Amazon MGM gekauft hat, werden den Machern in Zukunft grenzenlose Budgets zur Verfügung stehen – Filme, Serien, Spiele. Man wird sicherlich den Marvel-Weg wählen und in Zukunft deutlich mehr Spin-Offs produzieren.

© MGM und Universal Pictures

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