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Monitor-Kauf: Aktuelle Display-Technik erklärt – PC-WELT







Bei Displays entwickelt sich die Technik so schnell, dass dauernd neue Begriffe entstehen. PC-WELT bringt Klarheit in Schlagwörter wie Mini- und Mikro-LED, VRR, ALLM und mehr.

Egal, ob Sie sich für einen aktuellen Monitor, einen Fernseher oder ein neues Notebook, Tablet oder Smartphone interessieren – diese Geräte haben alle eine Gemeinsamkeit: In jedem dieser Gehäuse steckt ein Display. Doch Schirm ist nicht gleich Schirm. Denn speziell im Displaybereich schreitet die technische Entwicklung extrem schnell voran. Dadurch entstehen neue Begriffe und Kürzel, die Ihnen in der Regel auf Anhieb wenig sagen oder sich sogar leicht miteinander verwechseln lassen – wie etwa die Paneltechniken Mini- und Mikro-LED. Um leichter einzuordnen, welche Begriffe für die anstehende Neuanschaffung wichtig und welche zu vernachlässigen sind, finden Sie im Ratgeber die zentralen Schlagwörter zu den aktuellen Displaytrends erklärt.

Mikro-LED: Panel mit Zukunft, aber noch unbezahlbar

Als Oled-Konkurrent der Zukunft gilt Mikro-LED, auch Micro-LED oder MLED. Hier handelt es sich um anorganische, nur fünfzig Mikrometer winzige LEDs aus Halbleiterkristallen, die eigenständig Licht und Farbe erzeugen. Deshalb benötigen diese Panels weder Farbfilter noch eine Hintergrundbeleuchtung. Anfangs fanden sie sich nur als große Werbetafeln, da die Mikro-LEDs schlicht noch zu groß waren. Inzwischen sind sie so stark verkleinert, dass sie sich für große Fernseher einsetzen lassen. Das prominenteste Beispiel ist

Samsungs The Wall
: Die ersten Modelle, die der südkoreanische Hersteller seit 2018 vorwiegend auf Messen präsentiert, bestehen aus einzelnen Modulen, die zu riesigen Bildschirmflächen zusammengesetzt sind.

Die Vorteile von Mikro-LED liegen in hohen Helligkeits- und nahezu perfekten Kontrastwerten. Samsung spricht bei The Wall von einer Spitzenhelligkeit von 2000 Candela pro Quadratmeter – damit übertrifft sie Oled-Schirme um gut das Doppelte. Außerdem entfällt die Oled-Schwäche des Einbrennens hier völlig. Überzeugend sind zudem die Bildwiederholraten von bis zu 120 Hertz und die Lebensdauer von 100.000 Betriebsstunden.

Es gibt aber auch Nachteile:

Die Leuchtdioden sind momentan noch nicht klein genug, um sie auch für gängigere TV-Größen zu verwenden. So gibt es diese Panels derzeit nur in riesigen 110-Zoll-Displays. Sie sind aus einzelnen Modulen zusammengesetzt und kosten stolze 150.000 Euro. Samsung hat auf der diesjährigen CES zwar auch Fernseher in Auflösungen bis UHD und in 75, 88, 93 und 99 Zoll angekündigt, erhältlich sind diese Modelle jedoch voraussichtlich erst Ende 2021, wenn nicht noch später.

Bis zu 24 Millionen einzelne winzige LEDs bilden die Basis der Mikro-LED-Technik, die ihr bekanntestes Beispiel in Samsungs The Wall findet. Als künftiger Oled-Konkurrent ist die Paneltechnik vielversprechend.

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Bis zu 24 Millionen einzelne winzige LEDs bilden die Basis der Mikro-LED-Technik, die ihr bekanntestes Beispiel in Samsungs The Wall findet. Als künftiger Oled-Konkurrent ist die Paneltechnik vielversprechend.

© Samsung

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Lohnt sich ein 360-Hz-Monitor?

Mini-LEDs – neuer Schub fürs Liquid Crystal Display

Auch wenn die Bezeichnung eines Panels als Mini-LED gar nicht an die klassische LCD-Technik erinnern soll, handelt es sich hier doch um eine Weiterentwicklung des bekannten LCD – Liquid Crystal Display. Das Prinzip: Ein Backlight leuchtet von hinten durch mehrere Schichten. Dabei steuert ein Layer aus Dünnschichttransistoren (Thin Film Transistor, TFT) die Flüssigkeitskristalle. Der Farbfilter darüber erzeugt die Grundfarben RGB (Rot, Grün, Blau).

Wie schon seit Jahren üblich, besteht die Hintergrundbeleuchtung aus LED-Elementen (Light-Emitting Diode). Im Unterschied zu Edge- LEDs, die an den Rändern des Displays angeordnet sind, sitzen bei Displays mit Mini-LEDs die Elemente in Zonen auf der Schirmfläche. Auch dieses Prinzip ist nicht neu, sondern als Direct-LED bekannt. Sind sie über die gesamte Fläche verteilt, sprechen die TV-Hersteller von Full Array Local Dimming (FALD) und betonen die homogene Ausleuchtung der Schirmfläche. 

Neu an den Displays mit Mini-LED-Backlight: Die LEDs sind besonders klein und lassen sich daher in ungleich mehr Zonen anordnen – von tausend bis mehreren tausend Grüppchen ist hier die Rede. Da diese einzeln dimmbar sind, verfeinern sie die Helligkeitsstufen weiter. Das ist besonders für die HDR- Wiedergabe (High Dynamic Range oder Hochkontrast) von Bedeutung, da hier gleichzeitig einzelne Bildbereiche sehr hell, andere sehr dunkel sein sollen. Störende Überstrahleffekte lassen sich nicht ganz verhindern, sollen sich jedoch durch neue LED-Beschichtungen und eine möglichst präzise Ansteuerung durch den Bildprozessor auf ein Minimum beschränken lassen.

Wie sich die Anzahl und Ansteuerung der Hintergrundbeleuchtung eines LC-Displays durch Mini-LEDs verbessern lässt, macht der Vergleich von Edge-LED, FALD und Mini-LED deutlich (Grafik: LG Electronics).

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Wie sich die Anzahl und Ansteuerung der Hintergrundbeleuchtung eines LC-Displays durch Mini-LEDs verbessern lässt, macht der Vergleich von Edge-LED, FALD und Mini-LED deutlich (Grafik: LG Electronics).

© LG Electronics

Nicht verwunderlich ist, dass Displays mit Mini-LED-Backlight derzeit nur bei hochpreisigen Fernseher- und Bildschirm-Modellen zu finden sind. Samsung etwa hat ihnen bei Fernsehern mit Neo Qled eine eigene Bezeichnung verpasst. Die Reihe startet als QN85A mit 4K-Auflösung bei rund 1800 Euro (UVP) für einen 55-Zöller und geht derzeit bis zur QN900A-Serie mit 8K-Panels, die in 85 Zoll rund 10.000 Euro kostet. Auch bei LG finden Sie unter dem Stichwort Qned Mini LED zwei TV-Serien mit Mini-LEDs: Als QNED91 starten die 4K-Modelle mit 65-Zoll-Diagonale und einem Kostenpunkt von 2600 Euro (UVP). Die 8K-Versionen haben die Kennung QNED99 und decken Diagonalen von 65, 75 und 86 Zoll ab, für die Sie 5000, 7000 und 10.000 Euro (UVP) hinblättern müssen.

Mini-LED-Displays nutzen besonders kleine LEDs als Hintergrundbeleuchtung, die sich in möglichst vielen Zonen über die gesamte Fläche erstrecken und präzise ansteuern lassen, wie hier beim Samsung-Display für Neo-Qled-TVs.

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Mini-LED-Displays nutzen besonders kleine LEDs als Hintergrundbeleuchtung, die sich in möglichst vielen Zonen über die gesamte Fläche erstrecken und präzise ansteuern lassen, wie hier beim Samsung-Display für Neo-Qled-TVs.

© Samsung

Auch bei Monitoren finden Sie inzwischen die ersten Vertreter mit Mini-LED-Backlight – etwa den Gaming-Schirm Asus ROG Swift PG32UQX, der mit 32-Zoll Bilddiagonale und UHD-Auflösung stolze 3500 Euro (UVP) aufruft – lesen Sie dazu

unseren ausführlichen Testbericht
. Samsung wiederum hat den 49-Zöller

Odyssey Neo G9
in der zweiten Generation des gekrümmten Spielemonitors mit einem Mini-LED-Backlight ausgestattet. Der Hersteller spricht hier von 2048 Dimming-Zonen und HDR2000, was einer Spitzenhelligkeit von 2000 Candela pro Quadratmeter entspricht – ein sehr hoher Wert, für den es noch keine Vesa-Zertifizierung gibt. Hoch ist auch die Preisempfehlung mit 2540 Euro.

Oled-Panels – nun auch bei Monitoren für den PC

Die Oled-Paneltechnik begegnet uns in vielen Display-Spielarten. Sie steckt im kleinen Smartphone genauso wie im Tablet oder großen Fernseher. Grundsätzlich besteht eine Oled – Organic Light Emitting Diode – aus zwei Elektroden, zwischen denen dünne, organische Halbleiterschichten angeordnet sind. Werden die Elektroden mit Strom versorgt, beginnt die organische Schicht zu leuchten. Eine Hintergrundbeleuchtung ist daher nicht nötig. Die Farben entstehen entweder direkt, indem jedes Subpixel einen eigenen Oled-Stapel für Rot, Grün und Blau mitbringt, oder durch einen weiß leuchtenden Oled-Stapel. Hier sind die einzelnen Dioden zusammengeschaltet. Die Farben entstehen anhand entsprechender Farbfilter. Für mehr Helligkeit kann ein weiteres Pixel ohne Farbfilter sorgen, das rein weiß leuchtet. Dieser White-Oled-Aufbau kommt in der Regel bei Oled-Fernsehern zum Einsatz. Die direkte RGB-Matrix findet dagegen bei Oled-Displays für Smartphones und Notebooks Verwendung.

Neben den schnellen Schaltzeiten liegen die Vorteile von Oled-Displays vor allem in exzellenten Schwarzwerten, die sie den abschaltbaren Pixeln verdanken. Gleichzeitig bestehen die Nachteile darin, dass die organischen Dioden altern und in den maximalen Helligkeits- werten nicht an LCDs herankommen. Auch bleibt das Problem von Einbrenneffekten bei Oled-Panels bestehen, auch wenn die Hersteller inzwischen wirksame Gegenmaßnahmen integriert haben – etwa das Verschieben statischer Inhalte um einige Pixel oder das automatische Starten von Pixel-Refresh-Programmen in vordefinierten Zeitabständen.

Gerade das Burn-in-Problem hinderte die Oled-Technik bisher daran, auch bei PC-Monitoren durchzustarten. Das änderte sich in den letzten Jahren nur vereinzelt – etwa mit dem Gaming-Bildschirm

Dell Alienware AW5520QF
, der allerdings mit einer Größe von 55 Zoll auch eher an einen Fernseher denn einen PC-Schirm erinnert. Schwung könnte jedoch der jüngste Vorstoß von LG bringen: Das Unternehmen legt mit

LG Ultrafine Oled Pro
erstmals eine Oled-Monitor-Serie auf, die für Foto- und Videoprofis gedacht ist. Den Anfang macht das 32-Zoll-Modell

32EP950
für satte 3250 Euro (UVP). Eine baugleiche 27-Zoll-Variante soll noch im Herbst dieses Jahres folgen.

VRR – variable Bildwiederholraten für flüssiges Gaming

Aktuelle Fernseher bieten schnelle Schaltzeiten bis 120 Hertz und mit HDMI 2.1 auch vielfach eine topaktuelle Schnittstelle. Darüber angeschlossene Zuspieler zeigen nicht nur 4K-Filme ohne störende Ruckler, sondern eignen sich auch fürs UHD-Gaming mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde. Da sich während eines Spiels die Bildraten häufig ändern können, kommt der Displaytechnik VRR – Variable Refresh Rate – eine besondere Bedeutung zu. Sie sorgt dafür, dass Screen Tearing verhindert wird. Darunter ist das Zerreißen von Bildern zu verstehen. Es entsteht, wenn statt eines Vollbilds nur ein Teilbild beim Display ankommt und über das vollständig gerenderte Bild gelegt wird.

Beim Screen Tearing zerreißt die Anzeige, da nur ein Teilbild beim Display ankommt und aufs Vollbild gelegt wird – rot eingekreist. Die Bildtechnik VRR verhindert den störenden Effekt, indem sie Bildraten und Frequenz variabel anpasst.

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Beim Screen Tearing zerreißt die Anzeige, da nur ein Teilbild beim Display ankommt und aufs Vollbild gelegt wird – rot eingekreist. Die Bildtechnik VRR verhindert den störenden Effekt, indem sie Bildraten und Frequenz variabel anpasst.

PC-Spieler kennen VRR als AMD Freesync und Nvidia G-Sync. Inzwischen werden beide Verfahren auch von vielen TVs unterstützt, die VRR beherrschen. Sie finden entsprechende Fernseher als „G-Sync Compatible“ oder „AMD Freesync Premium“ gekennzeichnet. Damit werden sie von angeschlossenen PCs als Anzeige akzeptiert, die mit Grafikkarten der jeweiligen Hersteller ausgestattet sind – etwa der Serien Geforce RTX30xx von Nvidia oder Radeon RX6000 von AMD. Gleichzeitig verhilft VRR auch Konsolen wie der Microsoft Xbox Series X zum 4K-Gaming mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde. Im Gegensatz dazu müssen sich Fans von Sonys Playstation 5 weiter gedulden. VRR-Unterstützung ist zwar versprochen, das entsprechende Update war jedoch zum Recherchezeitpunkt noch nicht verfügbar.

Schnelle Fernseher mit HDMI-2.1-Anschluss sind als Anzeige fürs Konsolen-Gaming interessant – etwa via Microsoft Xbox Series X. Denn sie bringen VRR mit und beherrschen so variable Bildfrequenzen von bis zu 120 Frames pro Sekunde.

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Schnelle Fernseher mit HDMI-2.1-Anschluss sind als Anzeige fürs Konsolen-Gaming interessant – etwa via Microsoft Xbox Series X. Denn sie bringen VRR mit und beherrschen so variable Bildfrequenzen von bis zu 120 Frames pro Sekunde.

© Microsoft

ALLM – kürzere Latenzen dank der Schnittstelle HDMI 2.1

Für jeden Spieler ist neben einer möglichst hohen Auflösung und einer schnellen Bildwiederholrate auch eine niedrige Latenzzeit ein wichtiges Kriterium für ein flüssiges Gameplay. Gemeint ist damit die Zeit, die von der Eingabe per Maus oder Controller bis zur Anzeige auf dem Display vergeht.

Die Funktion ALLM, die für Auto Low Latency Mode steht und über den HDMI-2.1-Anschluss bereitgestellt wird, schaltet das angeschlossene Display automatisch in den Gaming-Modus. Der Vorteil: Gerade bei Fernsehern sind üblicherweise andere Funktionen aktiv, die die Darstellung von Filmen und Fotos verbessern. Sie gehen aber meist zu Lasten der Reaktionszeit. Dank ALLM entfällt ein manuelles Umschalten in den Gaming-Modus, um die Latenzen fürs Spielen zu minimieren.

Allerdings müssen sowohl das Display als auch der Zuspieler ALLM mitbringen. Das ist bereits bei vielen Fernsehern dank HDMI 2.1 der Fall. Derzeit kommen auch die ersten PC-Monitore mit diesem Anschlusstyp in den Handel. Sie bewegen sich alle im hochpreisigen Segment, wie etwa der

Asus ROG Strix XG43UQ
für rund 1500 Euro (UVP).

Während HDMI 2.1 bei TVs bereits verbreitet zu finden ist, sind PC-Monitore mit diesem Anschluss erst im Kommen. Sie richten sich primär an Gamer, die Funktionen wie VRR oder ALLM benötigen – so auch der Asus ROG Strix XG43UQ.

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Während HDMI 2.1 bei TVs bereits verbreitet zu finden ist, sind PC-Monitore mit diesem Anschluss erst im Kommen. Sie richten sich primär an Gamer, die Funktionen wie VRR oder ALLM benötigen – so auch der Asus ROG Strix XG43UQ.

© Asus

Lesetipp:

So kalibrieren Sie Ihren Monitor richtig – ein Leitfaden

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