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Vergleich: Ein-Platinen-Rechner und Mini-PCs – PC-WELT







Kleine Computer sind besonders stromsparend und eignen sich daher ausgezeichnet als Dauerläufer. Bevorzugte Rollen sind die als Datenserver oder als Mediaplayer im heimischen Netzwerk.

Ein-Platinen-PCs sind zu einem großen Teil ausdrücklich für Linux ausgelegt. Als Einsatzgebiet standen zuerst Lehr- und Lerncomputer im Mittelpunkt. Schnell entdeckten dann Technikfreunde und Bastler das Potenzial der kleinen PCs. Man kann damit Geräte steuern, einen smarten Mediaplayer für das TV-Gerät realisieren oder einen kleinen Server im Heimnetz betreiben. Selbst der Einsatz als Desktop ist möglich.

Kleincomputer: Worauf man achten sollte

Ein-Platinen-Computer stehen in direkter Konkurrenz zu Mini-PCs, die auch nicht viel teurer sind, aber meist mehr Leistung und Schnittstellen bieten. In der Regel sind die Geräte nicht speziell für Linux ausgelegt, werden aber von den verbreiteten Distributionen gut unterstützt. Die Preisangaben der Tabelle beziehen sich nur auf die Geräte mit Standardausstattung. Bei Ein-Platinen-Computern müssen Sie Netzteil, Gehäuse, Kühlkörper und Speicherkarte hinzurechnen, die etwa 60 bis 80 Euro zusätzlich ausmachen. Im Preis der Mini-PCs wie dem

Intel NUC NUC7CJYH
oder der

Zotac ZBox CI329 nano
sind CPU, Gehäuse und Netzteil enthalten, RAM-Bausteine sowie SSD oder Festplatte kosten zusätzlich um die 100 Euro. Die Preise spiegeln außerdem unterschiedliche Leistungsklassen wider. 

Der

Raspberry Zero W
mit ARM-CPU ist relativ langsam und mit wenig RAM ausgestattet. Die Einsatzgebiete beschränken sich daher eher auf Projekte für die Erfassung von Messdaten oder die Steuerung von Geräten. Die teuersten Geräte spielen in einer anderen Leistungsklasse. Celeron- CPUs sind schneller und mehr RAM wirkt sich ebenfalls positiv aus. Solche Geräte lassen sich als Multimediazentrale und als Dateiserver einsetzen. Der Desktop ist ebenfalls flüssig nutzbar.

Für Dateiserver sind USB-3.0-Ports und Gigabit-Ethernet sowie SATA-Anschlüsse sinnvoll. In die Mini-PCs lässt sich nur eine 2,5-Zoll-Festplatte oder SSD einbauen, wodurch die interne Speicherkapazität beschränkt ist. Die Platine

Odroid H2+
ist mit zwei SATA- und zwei USB-3.0-Ports als Dateiserver besser geeignet. Nicht alle Modelle sind jederzeit in Deutschland verfügbar. Beachten Sie beim Kauf etwa über chinesische Handelsplattformen die meist hohen Versandkosten und beziehen Sie den fälligen Zoll in die Kostenrechnung ein.

Verfügbarkeit von Software:

Verbreitete Geräte wie der Raspberry Pi werden von einer umfangreichen Gemeinschaft unterstützt. Im Internet finden Sie daher zahlreiche Projekte und Hilfestellungen. Es ist von Vorteil, dass sich am grundsätzlichen Aufbau seit dem ersten Modell nicht viel geändert hat und wohl auch in Zukunft nicht viel ändern wird. Das sichert die Kompatibilität von Betriebssystemen und Software über einen langen Zeitraum. Bei anderen, weniger verbreiteten Ein-Platinen-Computern ist das nicht garantiert. Die größte Flexibilität bieten Geräte mit Celeron-CPU, weil man hier auch längerfristig jedes System installieren kann.

Der universelle Raspberry Pi 4

Beim Raspberry Pi erfolgt die Installation nicht direkt. Sie kopieren das gewünschte System mit einem anderen PC und dem Raspberry Pi Imager auf die SD-Karte.

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Beim Raspberry Pi erfolgt die Installation nicht direkt. Sie kopieren das gewünschte System mit einem anderen PC und dem Raspberry Pi Imager auf die SD-Karte.

Kleine PC-Bauformen gab es zwar schon vorher, mit dem

Raspberry Pi
 begann im Jahr 2012 jedoch die Erfolgsgeschichte der Ein-Platinen-Computer. Das aktuelle Spitzenmodell Pi 4 B ist mit bis zu acht GB RAM ausgestattet, die CPU läuft mit 1500 MHz. Auf dem Gerät mit der Größe einer Scheckkarte befinden sich zwei USB-3.0-Ports, zwei USB-2.0-Ports, eine Gigabit-Ethernet-Buchse sowie ein WLAN- und Bluetooth-Adapter. Das Hardwareupdate hat den kleinen PC gegenüber dem Vorgänger deutlich beschleunigt, sodass er sich auch für kleine Serveraufgaben im Netzwerk eignet. Das gilt auch für die Nutzung des Desktops, wenn man keine allzu großen Ansprüche stellt.

Das Betriebssystem wird am PC auf eine SD-Karte kopiert, von der der Raspberry Pi dann bootet. Am einfachsten geht das mit dem

Raspberry Pi Imager
, den Sie unter

www.raspberrypi.org/software
als DEB-Paket für Ubuntu oder Linux Mint herunterladen und installieren. Den Imager gibt es auch für Mac-OS und Windows. Im Tool wählen Sie das gewünschte Betriebssystem aus – Standard ist Raspberry-Pi-OS, das auf Debian basiert. Im Angebot sind außerdem mehrere Ubuntu-Varianten.

Wer ein Multimedia-System benötigt, richtet Libre Elec mit Kodi über den Imager ein. Die Steuerung der Oberfläche kann in der Regel über die Fernbedienung des TV-Geräts erfolgen. Dank Hardwarebeschleunigung durch die GPU ist die Wiedergabe von HD-Videos mit 4K-Auflösung bei 60 Hz möglich.

Klein und schnell: Odroid H2+

Die Platine des

Odroid H2+
fällt mit elf mal elf Zentimetern größer aus als die des Raspberry Pi. Man kann das Gerät auch eher als Barebone für den Bau eines eigenen PCs ansehen. Es ist mit dem Intel Processor J4115 inklusive UHD Graphics 600 ausgestattet und bewegt sich damit im Leistungsbereich der Zotac Zbox CI329 und des Intel NUC7CJYH. Mit zwei SATA3-Anschlüssen und zwei USB-3.0-Ports eignet sich Odroid H2+ gut als Datei- oder Webserver. SATA-Datenkabel und Adapter für die Stromversorgung müssen Sie zusätzlich erwerben (etwa fünf Euro).

Das Betriebssystem installieren Sie auf einer eMMC-Karte oder einer M.2-NVMe-SSS, für die es Steckplätze auf dem Board gibt. Alternativ können Sie auch von einem SATA- oder USB-Laufwerk booten. Die Installation des Betriebssystems erfolgt wie auf einem PC über ein Linux-Livesystem via USB-Stick. Für Monitoranschluss sind ein HDMI-Ausgang und ein Displayport 1.2 (4K) vorhanden. Der Odroid H2+ verfügt über zwei Ethernet-Anschlüsse mit 2,5 Gigabit/s, der verwendete Chipsatz RTL8125B wird jedoch erst ab Kernel 5.9 unterstützt. Nutzer von Ubuntu 20.04 oder Linux Mint 20 müssen daher den Kernel aktualisieren.

Kompakt und leise: Zotac Zbox CI329 Nano

Leiser Mini-PC: Die Zotac Zbox CI329 Nano kommt ohne Lüfter aus und arbeitet lautlos. Die Wärmeabfuhr erfolgt über das Gehäuse.

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Leiser Mini-PC: Die Zotac Zbox CI329 Nano kommt ohne Lüfter aus und arbeitet lautlos. Die Wärmeabfuhr erfolgt über das Gehäuse.

© Zotac

Anders als der

Intel NUC7CJYH
ist die

Zbox
passiv gekühlt und eignet sich daher gut als Wohnzimmer-PC. HDMI 2.0a (3840 × 2160, 60 Hz) und Displayport 1.2 (4096 × 2160, 60 Hz) befähigen das Gerät zur Rolle als Mediacenter – etwa mit Libre Elec (Kodi), mit insgesamt vier Mal USB 3.0 und zwei Mal Gigabit-Ethernet eignet sich das Gerät aber auch als Dateiserver. Zum Basispreis kommen noch die Kosten für RAM und Laufwerke hinzu. Ganz so flexibel wie der Odroid-H2+ ist die Zbox aber nicht. Sie können nur ein 2,5-Zoll-Laufwerk einbauen oder Linux alternativ von einem USB-Laufwerk booten.

Lesetipp:

 

Raspberry Pi 400 als PC-Ersatz – klappt das?

Ein Platinen-Computer und Mini-PCs (Auswahl)

Gerät

CPU Core

CPU GHz

RAM GB

Ethernet

USB 2.0

Extras

Watt (Idle-Last)

dt. Vertrieb

Betriebssysteme

Preis (ca.)

Raspberry Pi Zero W

Single

1

0,5

1x

WLAN, Bluetooth

0,2–2

Amazon

Raspberry-Pi-OS, Android u. a.

20

Beaglebone Black

Single

1

0,5

100 MBit/s

1x

HDMI, viele I/O-Ports

1–3

Reichelt, Pollin

Debian, Android

56

Asus Tinker Board

Quad

1,8

2

1 Gigabit/s

4x

WLAN, Bluetooth

k.A.

Pollin, Conrad, Reichelt

Tinker-OS (Debian)

60

Raspberry Pi 4

Quad

1,2

4

1 Gigabit/s

2x

2x USB 3.0, WLAN, Bluetooth, 2x HDMI

2–5

Amazon, Conrad, Reichelt

Raspberry-Pi-OS, Debian, Ubuntu, Windows IoT

63

Jetson Nano

Quad

1,4

2

1 Gigabit/s

2x

1x USB 3.0, WLAN, Nvidia-Maxwell-GPU

3–5

Reichelt, Conrad

KI-Entwicklerboard mit Jetpack, Ubuntu

65

Banana Pi M2U

Quad

1,5

2

1 Gigabit/s

3x

SATA, WLAN, Bluetooth

Reichelt, Conrad

Ubuntu, Debian, Android

78

Banana Pi M5

Quad

2

4

1 Gigabit/s

2x

4x USB 3.0

2–5

Reichelt, Conrad

Ubuntu, Debian, Android

90

Odroid N2+

Quad

2,4/2,0

4

1 Gigabit/s

4x USB 3.0, Lüfter

2–7

Reichelt, Pollin

Ubuntu, Android

113

Intel NUC7CJYH

Dual

2,7

bis zu 8

1 Gigabit/s

2x

Celeron-CPU, SATA, 4x USB 3.0, WLAN, Lüfter

4–6

Amazon, Conrad

jedes Linux, Windows

130

Odroid H2+

Quad

2,5

bis zu 32

2,5 Gigabit/s

2x

Celeron-CPU, 2x USB 3.0, WLAN, SATA

4–8

Reichelt, Pollin

jedes Linux, Windows

150

Zotac Zbox CI329 Nano

Quad

2,4

bis zu 8

2×1 Gigabit/s

1x

Celeron-CPU, SATA, 4x USB 3.0, WLAN, passiv gekühlt

6–8

Amazon, Conrad, Reichelt

jedes Linux, Windows

195

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